40 Euro Nettoerlös sind noch kein Gewinn. Bevor Du bei Deiner Supplement-Marke über mehr Werbung oder einen anderen Preis entscheidest, lohnt eine einfachere Frage: Was bleibt von einer Bestellung nach ihren variablen Kosten für Deine Fixkosten übrig?
Hier rechnest Du diesen Beitrag Schritt für Schritt aus. Das Beispiel gilt für eine fiktive DTC-Bestellung. Sämtliche Beträge sind frei gewählte LunaVe-Annahmen, keine Marktpreise, Herstellerangebote oder Kundenergebnisse.
Eine gemeinsame Bezugsgröße festlegen
Die variablen Bestellkosten erfassen
Den Beitrag nach Akquise berechnen
Die einbezogenen Fixkosten decken
Die eigene Rechnung aufsetzen
Häufige Fragen
1. Rechne mit einer Bestellung auf derselben Basis
Lege zuerst Warenkorb, Vertriebskanal und Zeitraum fest. Eine Bestellung kann mehrere Packungen enthalten. Ihr gesamter Erlös ist deshalb nicht automatisch der Preis einer einzelnen Dose. Halte Nettoerlöse und Nettokosten konsistent; vermische keine Währungen ohne einen nachvollziehbaren Umrechnungsschritt.
Im Beispiel beträgt der gesamte Nettoerlös nach Rabatten 40 EUR je Bestellung. Darin sind gegebenenfalls berechnete Versandentgelte enthalten. Mögliche Erstattungen sind in diesem Erlös noch nicht abgezogen: Ihre erwartete Netto-Belastung erfassen wir unten einmal als eigene Position.
Für die Ausgaben vor der ersten Lieferung brauchst Du eine andere Betrachtung. Dazu passt unser Leitfaden zu den Kosten der ersten Supplement-Charge.
2. Erfasse jede variable Kostenposition einmal
Die folgende Tabelle zeigt sechs Bestellkosten und die separat betrachtete variable Akquise. Ergänze daneben Deine eigenen Werte und ihre Datenquellen. Eine fehlende Angabe bleibt offen; sie wird nicht zur Null.
Fiktives LunaVe-Modell: alle Beträge in EUR netto je Bestellung
Position | Annahme | Bei Dir prüfen |
|---|---|---|
Produkt einschließlich Dose und Etikett | 10 | Welche Bestandteile sind bereits enthalten? |
Versandkarton | 1 | Weitere Verpackungsmaterialien? |
Pick & Pack | 3 | Tatsächlicher Umfang je Warenkorb? |
Ausgehender Versand | 5 | Zielgebiet und berechnete Versandkosten? |
Zahlungsgebühren | 1 | Eigene Gebühren und Preisbasis? |
Retouren und Erstattungen: erwartete Netto-Belastung | 2 | Welche Belastungen und Rückflüsse sind berücksichtigt? |
Zwischensumme ohne Akquise | 22 | Jede Position genau einmal |
Variable Akquisekosten | 12 | Kostenumfang und Bezugsgröße festhalten |
Gesamte variable Kosten | 34 | Fixkosten bleiben separat |
Die 5 EUR Versand sind ausgehende Kosten; gegebenenfalls von Kunden gezahlte Versandentgelte gehören zum Erlös. Die gesamten erwarteten Netto-Belastungen aus Retouren und Erstattungen stecken im Modell in den 2 EUR. Ziehe sie nicht zusätzlich vom Erlös ab. Sind Deine Erlösdaten bereits um Erstattungen bereinigt, musst Du die Position entsprechend anpassen.
Prüfe außerdem den gewählten Kanal: Marktplatzgebühren, Betreuung oder weitere Kosten können hinzukommen. Ordne sie nach ihrem tatsächlichen Kostenverhalten zu. Unser Vergleich von Amazon und eigenem Onlineshop hilft bei der Kanalentscheidung.
3. Was bleibt nach der variablen Akquise?
Für unsere Bestellung lautet die Rechnung:
40 EUR Nettoerlös − 22 EUR variable Bestellkosten − 12 EUR variable Akquisekosten = 6 EUR Deckungsbeitrag nach Akquise je Bestellung.
Diese 6 EUR können zur Deckung der separat betrachteten Fixkosten beitragen. Sie sind noch kein Gewinn. Wir unterstellen, dass keine Fixkosten in den 22 EUR oder den 12 EUR stecken und Akquise nicht doppelt erfasst wird.
Wie empfindlich ist das Ergebnis? Halte Erlös und übrige Bestellkosten konstant und ändere nur die variable Akquise:
Fiktive Sensitivität, EUR je Bestellung
Variable Akquise | Beitrag nach Akquise |
|---|---|
8 | 10 |
12 | 6 |
18 | 0 |
Das ist eine Sensitivitätsrechnung, keine Prognose für Werbewirkung oder Nachfrage. Kosten pro Neukunde und Kosten pro Bestellung haben zudem unterschiedliche Nenner. Verwende den Begriff CAC deshalb nicht automatisch für jede Akquisekostenposition. Halte fest, ob Du neue Kunden, alle Bestellungen oder einen anderen klar abgegrenzten Umfang betrachtest.
4. Welche Bestellmenge deckt die Fixkosten im Modell?
Unterstelle nun 1.200 EUR Fixkosten pro Monat. Bei 6 EUR Beitrag je Bestellung ergibt sich:
1.200 EUR/Monat ÷ 6 EUR/Bestellung = 200 Bestellungen/Monat.
Damit wären ausschließlich die einbezogenen Fixkosten gedeckt – bei konstanten Durchschnittswerten und gleichem Verkaufsmix. Bei 0 EUR Beitrag gibt es keine endliche Bestellmenge, die positive Fixkosten deckt. Bei negativem Beitrag löst mehr Absatz das Problem in diesem unveränderten Modell ebenfalls nicht.
Die Rechnung zeigt weder Zahlungsfähigkeit noch garantierten Gewinn. Warenbestände, Fälligkeiten, Steuern, Finanzierung und nicht erfasste Kosten brauchen eine eigene Betrachtung. Auch ein anderer Warenkorb oder steigende Akquisekosten können das Ergebnis verändern.
5. Übertrage das Modell auf Deine nächste Entscheidung
Bezugsgröße festhalten. Welcher Warenkorb, welcher Kanal und welcher Zeitraum?
Eigene Daten eintragen. Erlös, sieben variable Kostenpositionen und monatliche Fixkosten mit Quellen dokumentieren.
Doppelzählungen prüfen. Besonders bei Rabatten, Versandentgelten, Erstattungen und Akquise.
Unsicherheit sichtbar machen. Szenarien rechnen; fehlende Angaben mit Verantwortlichem und Klärungstermin festhalten.
Eine Entscheidung wählen. Welche Preis-, Warenkorb-, Kosten- oder Akquise-Annahme willst Du als Nächstes überprüfen?
Im LunaVe Supplement-Kostenrechner kannst Du Deine Planung weiter strukturieren. Übertrage passende eigene Eingaben; der Rechner und dieses Bestellmodell haben unterschiedliche Vereinfachungen und müssen nicht dasselbe Ergebnis liefern.
Du hast konkrete Herstellerangebote und möchtest vor der Bestellung Menge, Kosten und Kapitalbedarf vergleichen? Der LunaVe Angebots-Check beschreibt den dafür vorgesehenen Umfang. LunaVe begleitet Supplement-Projekte in der DACH-Region und der EU mit Schwerpunkt Deutschland.
Häufige Fragen
Ist der Deckungsbeitrag mein Gewinn?
Nein. Hier bleibt ein Beitrag für die separat betrachteten Fixkosten. Nicht erfasste Kosten und weitere Effekte können relevant sein.
Ist CAC dasselbe wie variable Akquise je Bestellung?
Nicht automatisch. Kläre Kostenumfang, Zeitraum und Nenner: Ein neu gewonnener Kunde kann mehr als eine Bestellung auslösen.
Was bedeutet ein Beitrag von null?
Die modellierten variablen Kosten entsprechen dem Erlös. Für positive Fixkosten bleibt aus diesen Bestellungen bei unveränderten Annahmen kein Beitrag.
Methodik und Quelle
Die Grundmethode erläutert das Existenzgründungsportal im Abschnitt „Deckungsbeitragsrechnung und Break-Even-Analyse“ vom 20.06.2017, geprüft am 20.10.2026. Verwendet wird nur die betriebswirtschaftliche Grundlogik, keine steuerliche oder rechtliche Aussage der Seite. Alle Beträge, Szenarien und die Anwendung auf eine Bestellung sind ein fiktives LunaVe-Modell.